Masterplan Güterverkehr und Logistik: Entmischung von Güter- und Personenverkehr

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II. Maßnahmen
7. Umsetzung
7.4 Verstärkter Ausbau von Verkehrsachsen und -knoten
7.4.1 Entmischung von Güter- und Personenverkehr

Ausgangslage

Aufgrund des Verkehrswachstums insbesondere im Güterverkehr ergeben sich zunehmend Konflikte in der Nutzung der Verkehrsinfrastruktur zwischen Güter- und Personenverkehr bzw. Schwerlast- und Individualverkehr. Dies führt zu Störungen im Verkehrsfluss und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit der Verkehrsinfrastruktur: Auf den hoch belasteten Strecken des Schienengüterverkehrs bestehen zunehmend Kapazitätsengpässe. Vor allem auf den Nord-Süd-Korridoren sind keine, nur noch begrenzt oder zu nicht marktverträglichen Fahrplanzeiten Trassen verfügbar. Die Engpässe haben verschiedene Ursachen, u.a. Nutzerkonkurrenz mit dem vertakteten Personenverkehr.

Bei vierstreifigen hoch belasteten Abschnitten der Bundesautobahnen entstehen insbesondere bei zur Überholung ausscherenden Lkw kritische Verkehrssituationen mit schneller fahrenden Pkw. Der Verkehrsfluss wird gebremst und die Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Das Problem wird sich vsl. mit dem prognostizierten Verkehrswachstum verschärfen.

Beschreibung der Maßnahme

Durch eine Reduzierung der Trassenkonflikte zwischen regionalem Schienenpersonenverkehr und Schienengüterverkehr sowie gezielte Engpassbeseitigung sowohl bei der Schiene als auch der Straße soll eine stärkere Trennung der unterschiedlichen Verkehre auf hoch belasteten Strecken erreicht werden. Durch die Entmischung soll die Durchlassfähigkeit erhöht, die Verkehrssicherheit verbessert und das Staurisiko reduziert werden. Diese Maßnahme soll auch zur Verbesserung im Personenverkehr führen, da die betroffenen Engpässe sich überwiegend im gemischt ge-nutzten Streckennetz befinden. Möglichkeiten zur Lösung von Trassenkonflikten sollen geprüft und ggf. soll ein Konzept entwickelt werden. Hierbei ist die Möglichkeit einer Ausweitung der Priorisierung des Güterverkehrs in den Nachtstunden zu prüfen. Die Maßnahmen sind in einem vertretbaren Umfang mit ausgewogenen Ansätzen zum Personenverkehr zu gestalten. Für die Engpassbeseitigung bei der Schiene soll die Strategie „Netz 21“ der DB AG fortgeführt und beschleunigt werden. Die Strategie „Netz 21“ der DB AG beinhaltet die Zielsetzung einer Entmischung von langsamen und schnellen Verkehren und findet auch im Rahmen der Bundesverkehrswegeplanung und der Bedarfsplanung Berücksichtigung. Die Entmischung von Güter- und Personenverkehr auf der Straße lässt sich am effizientesten durch sechs- und achtspurigen Ausbau der Bundesautobahnen erreichen. Für den Ausbau der Abschnitte auf Bundesautobahnen sollen die entsprechenden Baumaßnahmen beschleunigt durchgeführt werden.

Auswirkung

Engpassbeseitigung bei der Schiene: Die Fortführung und Beschleunigung von „Netz 21“ der DB AG erhöht die Durchlässigkeit von Strecken und Knoten der Schieneninfrastruktur und ermöglicht eine Verbesserung der Transportqualität sowie eine Steigerung der Trassenkapazität. Gemäß Experteneinschätzung sind es meist vergleichsweise kleinvolumige Investitionsmaßnahmen, die – bezogen auf die betroffene Strecke – jeweils zu einer Effizienzsteigerung bei der Netzleistungsfähigkeit (Gewinnung zusätzlicher Trassen) im Bereich von 10-20% führen.

Trassenkonflikte: Experten gehen davon aus, dass bereits geringe Flexibilisierungsmaßnahmen, z. B. Verschiebung des Fahrplans eines Zugs um wenige Minuten oder eines Zugtakts je Stunde, eine spürbare Erhöhung der Trassenkapazität für den Güterverkehr insbesondere zu marktrelevanten Zeiten bewirken würde.

Engpassbeseitigung bei der Straße: Ein sechsstreifiger Ausbau der hoch belasteten und für den Straßengüterverkehr vorrangigen BAB-Strecken erhöht die Kapazität der betroffenen Abschnitte um bis zu 50%. Dies erhöht die Durchlassfähigkeit für Lkw und Pkw entsprechend und ist eine notwendige Voraussetzung, um das prognostizierte Wachstum beider Verkehrsarten besser auffangen zu können. Durch die Engpassbeseitigung bei der Straße kann auf die Einführung "flächendeckender" Überholverbote für schwere Lkw verzichtet werden. Die Umsetzung der Maßnahme reduziert die Stau- und Unfallhäufigkeit und damit die sozialen Kosten des Verkehrs. Zudem werden darüber hinaus durch die Verringerung von Staus und Unfällen Straßengüterverkehrleistungen im Gesamtverkehrsnetz planbarer und zuverlässiger. Dies verbessert die Effizienz des Ressourceneinsatzes sowohl bei den Logistikdienstleistern wie auch bei Industrie und Handel (geringere Kapitalbindung für Puffer und Equipment, verbesserte Umläufe). Die Maßnahme dient letztlich auch dazu, einem volkswirtschaftlich ineffizienten "Downsizing" des Fuhrparks zu begegnen: Um den Hindernissen auszuweichen, denen schwere Lkw ausgesetzt sind wie Überholverboten und Geschwindigkeitsbegrenzungen, setzen Logistikdienstleiter in zeit- und terminsensiblen Transportmärkten zum Teil kleinere, schnell fahrende Fahrzeuge ("Kleintransporter") anstelle von Fernverkehrs-Lkw ein.

Verantwortung

Die Beseitigung von Engpässen bei der Schiene obliegt der DB Netz AG. Die Lösung von Trassenkonflikten, wo sinnvoll und möglich, liegt in der Verantwortung der DB Netz AG in Abstimmung mit der Netzagentur unter Beteiligung von Eisenbahnunternehmen und den betroffenen Bundesländern (als den Bestellern von Nahverkehrsleistungen).

Die Beseitigung der Engpässe bei den Bundesautobahnen liegt in der Zuständigkeit des BMVBS in Abstimmung mit den Bundesländern.

Haushalts-Relevanz

Für die Engpassbeseitigung sind in der aktualisierten Finanzplanung deutlich verstärkte Investitionsmittel eingestellt. Im Jahr 2009 wird rd. 1 Mrd. € zusätzlich zur Verfügung gestellt.

EU-Relevanz

Die Maßnahmen stehen in Einklang mit den von der EU zur Güterverkehrslogistik beabsichtigten Aktionen.

Umsetzungszeitraum

Mit den Maßnahmen soll sofort begonnen werden.


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