Wareneingangslager

Aus Lager- & Logistik-Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Definition nach VDI-Richtlinie 3612:
"Wareneingang oder Warenannahme ist die Stelle im Unternehmen (Betrieb, Lager), die alle angelieferten Waren annimmt."


Das Wareneingangslager ist der Teil des Betriebes in dem die gelieferten Waren vom Anlieferer übernommen werden. Bei der Warenannahme finden Kontrollen statt. Da das Wareneingangslager in der Regel ein Sperrlager ist, kann keine Ware direkt aus dem Eingang angefordert werden. Erst wenn alle Eingangskontrollen erfolgreich sind, wird die Ware in den verwendbaren Lagerbestand eingebucht und für den weiteren Verbleib freigegeben.

Aufgaben

Vom Wareneingang werden die eingehenden Waren gesteuert, die zugehörigen Daten und Informationen erfasst und weitergeleitet. Die Identität, Quantität und Qualität (Feststellung von Mängeln nach §377 HGB) wird überprüft.

Folgende weitere Aufgaben werden vom Wareneingang wahrgenommen:

  • Entladen der Lieferfahrzeuge
  • Kontrolle der angelieferten Packstücke
  • Zwischenlagern bis Eingangskontrolle abgeschlossen ist
  • Auspacken der gelieferten Packstücke
  • Sortieren der gelieferten Ware
  • Neu- oder Umverpacken in Lagergerechte Lagereinheiten
  • Kennzeichnung und Bereitstellung für den Einlagerungsvorgang
  • Buchmäßige Erfassung der angelieferten Ware

Organisation

Die Organisation des Wareneingangs hängt von der Art der gelieferten Waren und der Größe des Unternehmens ab. Während in großen Unternehmen der Wareneingang häufig eine eigene Abteilung bildet, ist in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) meist eine Mischung aus Wareneingang und Lagerhaltung anzutreffen. In KMU sind die Wareneingangsmitarbeiter auch meist mit den Qualitätskontrollen der angelieferten Waren beauftragt. Während es in großen Betrieben hierfür eigene Abteilungen gibt.

Ein weiteres Kriterium für die Organisation des Wareneingangs ist, ob der Wareneingang Zentral oder Dezentral abgewickelt werden soll. Ein Zentraler Wareneingang ist ab einer gewissen Unternehmensgröße unwirtschaftlich wenn dadurch zusätzliche innerbetriebliche Transporte in erheblichen Umfang notwendig werden. Die Informationen des Wareneingangs sollten aber auch bei einer dezentralen Struktur über eine einheitliche Software Zentral gesteuert werden.

Standort

Üblicherweise befindet sich das Eingangslager am Beginn des üblichen Materialflusses.
Je nach Anbindung unterschiedlicher Verkehrsträger muss der Standort des Wareneingangslagers entsprechend geplant werden. Werden Waren häufig per Bahn geliefert kann es Sinn machen den Wareneingang direkt an das Gleis zu legen um ein umladen für den Weitertransport zum Wareneingang zu vermeiden.

Kapazität

Um den Platzbedarf und die Anzahl der Mitarbeiter sowie der benötigten Lagereinrichtung feststellen zu können ist eine Analyse der eingehenden Sendungen unumgänglich.

Um die Sendungsstruktur übersichtlich darstellen zu können werden unter anderem folgende Daten erfasst:

  • Anzahl Packstücke/Sendung
  • Anzahl Positionen/Packstück
  • Abmessungen
  • Gewichte
  • Eingangsmengen in einer Zeitperiode pro Materialposition

Es werden auch besondere Materialeigenschaften erfasst:

  • Hitze-/Kälteempfindlichkeit
  • Verderblichkeit
  • Bruchgefahr
  • Gefahrstoffe/Giftstoffe

Sind diese Daten bekannt, kann über die Zeit die für eine Wareneingangsposition zur Bearbeitung benötigt wird der benötigte Platz, Anzahl Mitarbeiter und die benötigten Flurförderzeuge, Pufferregale und sonstige Lagereinrichtungen im Wareneingang errechnet werden.

Soll ein Wareneingangslager neu geplant werden, sollten hier die aus der strategischen Planung in 5 Jahren erwarteten Mengen verarbeitet werden können. Die Erfahrung hat gezeigt das ein neu eingerichtetes Lager nicht sofort zu 100% ausgelastet werden kann. Es werden gerade in Startphase noch Optimierungen und Umbauten vorgenommen, ist das Lager dann Eingefahren und stößt an seine Kapazitätsgrenzen kann oft durch weitere Optimierungsmaßnahmen weiteres Potenzial realisiert werden.

Anlieferung

Je nach vorhandener Entladekapazität sollten für die einzelnen Rampen Zeitfenster geplant werden die den angemeldeten Fahrzeugen zugeordnet werden. So lässt sich der Druck auf die Lagermitarbeiter verringern wenn LKW-Fahrer warten müssen. Andererseits können aber auch Fahrzeuge "vorgezogen" werden wenn ein anderer Anlieferer sein Zeitfenster verpasst.

Die Ware sollte möglichst in lagerfähiger Verpackung angeliefert werden um ein Umpacken im Wareneingang zu vermeiden. Dabei sollten die Verpackungseinheiten so bemessen sein, dass sie direkt bereitgestellt werden können. Um dies zu erreichen sollte eine verbindliche Regelung zu der Anlieferungsmethode, der Verpackungsart sowie der Gebindegrößen im Kaufvertrag getroffen sein. Dies geschieht in größeren Betrieben häufig über ein Lieferantenhandbuch welches als Teil des Kaufvertrages gilt.

Durch die lagerkonforme Anlieferung lassen sich die

  • Be- und Entladekosten
  • Frachtkosten
  • innerbetriebliche Transport- und Umschlagkosten und
  • Lagerkosten

senken. Ebenso sinkt die Wahrscheinlichkeit das Ware beim Handling oder durch Witterungseinflüsse beschädigt wird.